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Idee

Interkulturelle Verständigung an Münchner Schulen: zum Beispiel A.R.T
Entstehung und Wirkung eines neuen, kreativen Ansatzes zur Demokratieerziehung

Der Anstoß zur Beschäftigung mit kulturellen Differenzen ging an einer Münchner Schule (allerdings außerhalb des Unterrichts) von SchülerInnen aus. Anlass war nicht ihre Furcht vor dem Fremden, sondern ihr Befremden über das Befremden anderer oder drastischer: über offene und latente Fremdenfeindlichkeit in- und außerhalb der Schule. Betroffen waren die jungen Leute, weil sie selber oder ihre Freunde als `fremd´, als `nicht zugehörig´ aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen werden sollten.

Aus der persönlichen Betroffenheit erwuchs der Wunsch nach Informationen über "Fremde bei uns" (später auch über "Was wollen die Neonazis ?"), weil die SchülerInnen die Erfahrung gemacht hatten, dass Jugendliche wie Erwachsene ihre Vorurteile gerne rationalisieren und mit Pseudowahrheiten wiederum andere beeindrucken.

Ausstellung Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen, '94Daraus entstand A.R.T, das Anti-Rassismus-Training, in dem sich größere SchülerInnen intensiv schulten, um in Rollenspielen, Diskussionen und mit viel Recherche-Arbeit jene Sicherheit zu gewinnen, mit der sie dann ihre jüngeren MitschülerInnen beim klassenweisen Besuch in der "Woche des Miteinander" zumindest ein Stück weit immunisierten gegen fremdenfeindliche Versuchungen, z. B. aus den Medien, von Zuhause, von den Freunden u.s.w.

Diese Arbeit war zumindest so erfolgreich, dass von den jüngeren SchülerInnen nach einigen Jahren jeweils eine größere Zahl nun ihrerseits nach dem A.R.T-Programm verlangte, um dann z. B. in alle sechsten Klassen zu gehen.

Zugleich erweiterten die SchülerInnen ihre Lebenswelt: Sie gewannen beim Verfassen und Verteilen von Flugblättern gegen Fremdenfeindlichkeit im Stadtviertel eine Sicherheit auch gegenüber Erwachsenen, weil sie Fühlen, Denken und Handeln in einem Punkt zur Deckung brachten und dabei lernten, den anderen auch in seiner Furcht oder Verblendung ernst zu nehmen - und sie gewannen neue Freunde.

Sie entwickelten aber auch ihre Fähigkeit zur praktischen Solidarität: Diese beschränkte sich nicht nur darauf, Flüchtlinge zum Schulfest einzuladen oder eine Patenschaft für Schulen in der "Dritten Welt" zu etablieren, sie führte auch zur jahrelangen, regelmäßigen Betreuung von Flüchtlingskindern, wobei die emotionale Zuwendung mindestens so wichtig war, wie die Hausaufgabenbetreuung.

Ui schau - was die auf dem Kopf hab'n...Auch ihre Kreativität stellten die SchülerInnen in den Dienst der interkulturellen Verständigung: Ausstellungen entstanden (z. B. Das Recht fremd zu sein, Total rechts oder Sozialabbau ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen), Malaktionen (z. B. Sprayen gegen Rechts) veränderten Schulen und selbstgeschriebene und -gespielte Theaterstücke (z. B. Deutschsein ist alles oder all equal - all different) begeisterten Jugendliche und Erwachsene. Neu ist jetzt Plakate gegen Rechts.

Aber auch neue Trainingsmethoden (z. B. ADAM-Aktivitäten), bei denen Ausgrenzung über Gefühle erfahrbar und der Analyse zugänglich werden, wurden begeistert aufgenommen.

1990 wurden die SMV der Münchner Schule und ihr beratender Lehrer W. Heigl mit einer Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet für ihren "beispielgebenden und ausdauernden Einsatz in der Auseinandersetzung mit ausländerfeindlichen und rechtsextremistischen Tendenzen in- und außerhalb der Schule". Weitere Auszeichnungen (auch für Einzelprojekte des A.R.T-Programms) folgten:

1991 durch die Initiative 'Demokratisch Handeln', Tübingen
1993 durch das Stadtjugendamt München
1994 School Award, Hamburg
1998 Oberbürgermeister LH München
2000 Comenius-Institut Berlin

Diese öffentlichen Anerkennungen stärkten das Selbstwertgefühl und schufen eine Tradition des Engagements für Minderheiten, welche die Schule, an der das A.R.T-Projekt entstanden war, insgesamt so stark beeinflusste, dass trotz widriger äußerer Bedingungen (hoher Prozentsatz von rechtsradikalen Wählern im Stadtteil, Verschlechterung der sozialen Bedingungen mit Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt, die Situation der Freizeitheime, die Ethnisierung von sozialen Problemen und kriegerische Wirren in den "Heimatländern" der Minderheiten) ein Klima der Toleranz und der Verständigungsbereitschaft der Versuchung des Nationalismus kaum eine Chance ließen.

 

 
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